Die Tierfotografien des russischen Künstelrs Vadim Trunov

Seine Natur- und vor allem seine Tierfotografien sind faszinierend: Der russische Fotograf Vadim Trunov hat ein Auge für den perfekten Moment. Was wie die optimale Inszenierung wirkt, ist ein (fast!) zufälliger Augenblick, der mit viel Geduld eingefangen wurde. Die Kalender mit Trunovs Bildern sind demnach auch weit mehr als reine Tierkalender: Sie sind Meisterwerke der Beobachtungskunst. Wir haben mit Vadim Trunow über seine Passion für Naturforografie gesprochen – und auch über die Techniken, die er anwendet, um den perfekten Moment zu finden und die Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben.

Für uns Grund genug, um ein persönliches Interview mit dem Fotoartisten Trunov zu führen, denn wir wollten aus erster Hand wissen: wie macht er das?

“Schon in meiner Kindheit war ich ein leidenschaftlicher Naturliebhaber”, erzählt der Fotograf im kalenderhaus Interview. “Meine Eltern haben mir damals Bücher geschenkt, in denen wunderschöne Bilder von Tieren und Insekten abgebildet waren und faszinierende Geschichten über diese Lebewesen erzählt wurden. Ich bin im Wald herumgestreift und habe die Waldbewohner beobachtet, habe Tiere, Vögel und Insekten gezeichnet. So hat sich mein Interesse an der Natur langsam entwickelt. Und als es dann die ersten Digitalkameras gab, habe ich dieses Interesse in die Fotografie projiziert.”


Worin liegt für ihn der größte Unterschied, wenn man die Natur durch die eigenen Augen oder durch das Objektiv einer Kamera betrachtet, wollte Kalenderhaus wissen? “Mit der Kamera habe ich einfach die Möglichkeit, einen bestimmten Moment festzuhalten. Das Bild, das dabei herauskommt, sieht natürlich nicht genau so aus wie die Realität. Die Kameralinse verändert die Tiefe des Feldes und die Proportionen des Objekts.“ Um Natur so zu fotografieren, dass die Bilder einerseits stimmig sind, andererseits diese besondere Faszination ausstrahlen, die Trunovs Fotografien oft in sich haben, braucht es demnach einige Voraussetzungen. Da wäre zum einen die Technik: “Das für mich beste Kameraobjektiv hat eine Brennweite von 100-200 Millimetern und eine f2.8.-Blende. Außerdem muss ich mich natürlich um Licht und Bildkomposition kümmern, um das Bild schöner und künstlerisch wertvoller gestalten zu können als eine einfache Landschaftsfotografie.”

Vadim Trunov - Märchenhaftes Waldleben 2020Vadim Trunov - Märchenhaftes Waldleben 2020

Gut, aber wo findet Vadim Trunov den perfekten Ort für ein Fotoshooting? Ganz einfach: Er geht mit offenen Augen durch die Welt. “Der perfekte Ort sollte über schönes, natürliches Licht verfügen – am besten Morgen- oder Abendlicht. Das Umfeld sollte natürlich schön sein: Blumen, Gras, Äste von Bäumen, Schnee oder Raureif. Und es sollte ein Platz sein, der in der Nähe des natürlichen Habitat von Tieren liegt. Für mich ist ein solcher Platz zum Beispiel eine Wiese oder eine Lichtung im Wald mit schönen Blumen im Morgentau, erfüllt von Sonnenlicht. Oder ein alter Baumstumpf, überwuchert von Moos und Waldpilzen.” Ist der perfekte Platz gefunden, muss Leben in die “Kulisse” einkehren – Trunov ist schließlich bekannt für seine Tierfotografien. “Ich muss die Tiere an genau die Plätze locken, die ich mir für das Fotoshooting ausgesucht habe. Dafür lege ich spezielle Futterköder aus, die die Tiere nach einiger Zeit finden und die sie immer wieder an die gleiche Stelle zurückkehren lassen.”


Schon in meiner Kindheit war ich ein leidenschaftlicher Naturliebhaber

Genau so, erzählt Trunov, entstehen zum Beispiel seine legendären Aufnahmen von Eichhörnchen. “Ich verteile Futterboxen mit Früchten und Nüssen in den Bäumen. Nach einer Weile finden die Eichhörnchen die Futterboxen, und wenn sie begriffen haben, dass es dort immer wieder etwas zu holen gibt, kommen sie auch immer öfter zur gleichen Stelle. Auch Vögel – Meisen, Kleiber, Eichelhäher, Elstern, Spechte – kommen ab und an zu den Futterstellen. Wenn man nicht nur regelmäßig Futter bereitstellt, sondern auch selbst in der Nähe bleibt, verlieren die Tiere nach eine Weile die Scheu und gewöhnen sich an den Beobachter. Nach ein bis drei Wochen haben beispielsweise die Eichhörnchen viel weniger Angst – und ich kann beginnen, zu fotografieren.“ Es braucht also eine ausführliche Vorbereitungszeit, um die optimalen Voraussetzungen für ein Tier-Fotoshooting herzustellen. Danach, so erzählt der Fotograf, folgt noch eine Beobachtungsphase: “Ich stelle mit Hilfe der Futterkästen eine bestimmte Szenerie her und versuche, zu beeinflussen, wie sich die Tiere innerhalb dieser Szenerie bewegen. Um das zu können, muss ich die Verhaltensweisen und Charaktere der Tiere sehr genau studieren. Ich benutze die Position des Futters, um die Position und Haltung von Eichhörnchen, Vögeln, Mäusen zu beeinflussen. Die Tiere spielen ihre Rolle in meinen Fotos wie kleine Schauspieler.“

Vadim Trunov - Märchenhaftes Waldleben 2020Vadim Trunov - Märchenhaftes Waldleben 2020

Die Tiere spielen ihre Rolle in meinen Fotos wie kleine Schauspieler

Und genau so wirkt es manchmal: Fast menschlich sehen die kleinen Tiere des Waldes auf Trunovs Fotos aus - aber ohne dabei dressiert zu wirken. Es macht Spaß, die Natur auf diese Weise zu entdecken, gerade auch Im Rahmen eines Kalenders, der einen Monat für Monat mit einem neuen Motiv überrascht. Hat Vadim Trunov eigentlich selbst ein Lieblingsbild? “Ich habe viele, viele Lieblingsbilder – aber ich glaube, das interessanteste Bild muss ich erst noch machen. Wobei – wer weiß? Wir werden sehen.” Für die Zukunft plant Trunov jedenfalls schon viele neue Projekte, in denen die Natur die Hauptrolle spielt. “Ich habe so viele Ideen. Vielleicht gelingt mir ja eine Fotoserie 'Eichhörnchen und Sport', in der Eichhörnchen verschiedene Sportarten 'spielen'. Es wird nie langweilig”. Das finden wir auch, und sind gespannt auf die neuen Ideen Vadim Trunovs. Bis dahin freuen wir uns beim Betrachten der aktuellen Publikationen!

Vadim Trunov - Märchenhaftes Waldleben 2020Vadim Trunov - Märchenhaftes Waldleben 2020Vadim Trunov - Märchenhaftes Waldleben 2020



Vadim Trunov - Ein FotoartistVadim Trunov


Vadim ist ein junger Fotograf aus dem rusischen Voronezh, einer der größten Städte Russlands ca, 500 Kilometer südlich von Moskau. Obwohl Trunov erst seit acht Jahren fotografiert, hat er sich in der Tierfotografie schnell einen Namen gemacht. Neben ausgewählten Motiven aus Echt- und Kunstlicht sind es vor allem seine scheinbar dressierten Eichhörnchen, die die Redaktion des Heye Verlages dazu bewegt haben einen wunderschönen und einzigartigen Tierkalender aufzulegen.

Weitere Werke finden Sie auf der offiziellen Webseite des Fotoartisten: https://vadim-trunov.wixsite.com/foto